FAQs rund um Anwendungen in der Wasserstoff-Industrie

Wasserstoff (H2) ist ein zentraler Baustein zukünftiger Energie- und Industriesysteme. In unseren FAQs beantworten wir häufige Fragen zu Anwendungen rund um das Thema Funktionale Sicherheit und Industrial Security in der Wasserstoff-Industrie und unterstützen Sie dabei, Herausforderungen und Einsatzmöglichkeiten besser zu verstehen.

Risiken und Gefahren beim Umgang mit Wasserstoff

Welche Risiken bestehen beim Umgang mit Wasserstoff?

Wasserstoff ist hochentzündlich, besitzt einen breiten Zündbereich (4–78 Vol.-%) und eine sehr niedrige Zündenergie (40 μJ).
Leckagen, Feuer, Explosionen und Erfrierungen durch kryogenen Wasserstoff sind zentrale Gefahrenquellen.

Warum ist Leckageerkennung bei Wasserstoffsystemen so wichtig?

Wasserstoff diffundiert durch kleinste Materialrisse und steigt in geschlossenen Räumen schnell auf. Leckagen sind schwer zu detektieren und stellen ein erhebliches Brand- und Explosionsrisiko dar.

Wie wird die Flammenerkennung bei Wasserstoff realisiert?

Da Wasserstoffflammen nahezu unsichtbar sind, kommen UV/IR-Sensoren oder thermische Gradientenmessung zum Einsatz. Letztere ermöglicht eine sichere Erkennung unabhängig vom Brennstoff.

Rechtlicher Rahmen und Normen

Welche rechtlichen Anforderungen gelten für Wasserstofftechnologien in der EU?

Es existieren keine spezifischen Wasserstoffgesetze, aber zahlreiche Richtlinien wie:

  • ATEX 2014/34/EU
  • Druckgeräte-Richtlinie 2014/68/EU
  • Maschinenverordnung 2023/1230 (anzuwenden ab 20.01.2027) 

VDMA-Einheitsblätter sind ebenfalls wegweisend.

Welche Normen gelten für Wasserstofftankstellen?

ISO 19880-1, EN 17127 und SAE J2601 definieren Sicherheitsanforderungen, Betankungsprotokolle und Interoperabilität für H₂-Tankstellen.

Was regelt die Norm ISO 22734 für Elektrolyseure?

ISO 22734 beschreibt Sicherheitsanforderungen für Wasserstofferzeuger durch Wasserelektrolyse – inklusive Prüfverfahren für Komponenten und Materialien.

Weitere Informationen:

ISO 22734-1: wichtige sicherheitsrelevante Änderungen

Funktionale Sicherheit in Wasserstoffanlagen

Was bedeutet funktionale Sicherheit in der Wasserstoffindustrie?

Funktionale Sicherheit beschreibt die zuverlässige Wirkung sicherheitsrelevanter Steuerungssysteme – von der Risikoanalyse über die Validierung bis zur Inbetriebnahme und Wartung.

Welche Normen regeln die funktionale Sicherheit?

Wichtige Normen sind EN ISO 13849, EN IEC 62061, EN IEC 61508 und EN IEC 61511. Sie definieren Anforderungen an Sicherheitsfunktionen, Sicherheitsintegritätslevel (SIL/PL) und Lebenszyklusbetrachtungen.  

Wie funktioniert die sichere Drucküberwachung?

Drucktransmitter und Steuerungen wie PNOZmulti 2 oder PSS 4000 erfassen Prozesswerte, vergleichen diese mit Grenzwerten und lösen bei Abweichungen sicherheitsrelevante Reaktionen aus. 

Was ist bei der sicheren Temperaturüberwachung zu beachten?

Temperaturüberwachung ist z. B. bei der Betankung gemäß SAE J2601 essenziell. Failsafe-Analogeingänge und zertifizierte Softwaremodule gewährleisten die Einhaltung sicherer Temperaturbereiche.

Industrial Security und Manipulationsschutz

Was versteht man unter Industrial Security in der Wasserstoffindustrie?

Industrial Security schützt Automatisierungs- und Steuerungssysteme vor unbefugtem Zugriff und Manipulation. Sie ist integraler Bestandteil der funktionalen Sicherheit

Welche Maßnahmen erhöhen die IT/OT-Sicherheit?

Verschiedene Maßnahmen verhindern unbefugte Eingriffe in sicherheitsrelevante Systeme:

  • Identification and Access Management (I.A.M.) mit Systemen zur Authentifizierung von Nutzern 
  • Zutritts- und Zugangsmanagement 
  • Maßnahmen zur Daten- und Netzwerksicherheit 
  • sichere Fernwartung
  • segmentierte Netzwerke

Wie schützt man Anlagen vor Bedienfehlern und vorhersehbarem Missbrauch?

Durch RFID-basierte Identifikation, sequenzgesteuerte Bedienerführung und sichere Steuerung wird sichergestellt, dass nur autorisierte Personen sicherheitskonforme Abläufe ausführen.

Sicherheitsfunktionen in Wasserstoffanwendungen

Welche Sicherheitsfunktionen sind bei Elektrolyseuren erforderlich?

Spannungs- und Stromüberwachung, Gas- und Flammendetektion sowie Not-Halt sind essenziell, um Knallgasbildung und elektrische Gefahren zu vermeiden.

Wie wird die Sicherheit bei Dampfreformierung gewährleistet?

Norm ISO 16110-1 definiert Anforderungen wie EMV-Schutz, Drucküberwachung und Explosionsvermeidung. Brennermanagementsysteme steuern die Prozesswärme sicher.

Was ist bei Wasserstofftankstellen zu beachten?

Sicherheitsfunktionen umfassen Druck- und Temperaturüberwachung, Leckageerkennung, Flammendetektion und Not-Halt. Die Betankung erfolgt nach SAE J2601 unter definierten Bedingungen.

Welche Anforderungen gelten für Brennstoffzellen?

IEC 62282-3-100 regelt die Sicherheit stationärer Brennstoffzellensysteme – inklusive Druckgeräte, Abgasführung und elektrischer Sicherheit.

Wie wird die Sicherheit bei Wasserstoffverbrennungsmotoren sichergestellt?

Durch sichere Überwachung des Mischungsverhältnisses, Leckageerkennung und Begrenzung des Wasserstoffanteils auf z. B. max. 40 % .

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